Die Kali- und Steinsalzschächte Deutschlands
Die Kali- und Steinsalzschächte             Deutschlands

Unsere Intention

Die Recherchen zu unserer Dokumentation richten sich primär auf die Ortung und den Nachweis der bisher stillgelegten Schächte mit ihren Bergwerksanlagen.



Seit 1998 sind wir in der Freizeit unterwegs und dokumentieren mit eigenen Fotoaufnahmen den aktuellen Zustand und mit einem mobilen GPS-Empfänger die Koordinaten des jeweiligen Schachtes. Ziel ist es, eine zusammenfassende Übersicht zu erstellen, die die Grundlage für eine weitere, ausbaufähige Dokumentation sein kann. 



Auf unserer teilweise komplizierten Suche nach den exakten Standorten wurde deutlich, dass der Kreis derer, der noch Wissen über Standort und Historie der ehemaligen Schächte hat, immer kleiner wird.



Aus Achtung vor den enormen Leistungen unserer Vorfahren bei den oft sehr komplizierten Teufarbeiten oder dem Aufbau der Bergwerksanlagen sowie auch den zahlreichen Opfern, sollte dieses Kapitel deutscher Industriegeschichte nicht in der Anonymität verschwinden- oder wie bei schon vielen Anlagen geschehen"geschliffen, überackert" und vergessen werden.



Unsere Motivation

Der erste Versuch einer bergmännischen Salzgewinnung in Deutschland durch Niederbringen eines Schachtes geht auf das Jahr 1817 zurück.

 

Der Württembergische König Wilhelm setzte auf den wachsenden wirtschaftlichen Faktor des Salzhandels und genehmigte unter diesem Aspekt die Teufarbeiten in der Nähe der bestehenden Saline in Jagstfeld.

 

Die während der Teufe zu diesem Zeitpunkt technisch nicht beherrschbaren Probleme der Wasserzutritte zwangen schon zwei Jahre später zur Aufgabe dieses Vorhabens.

 

Verbesserte technische Möglichkeiten ließen den Berbgau auf Steinsalz in den Folgejahren sich beständig entwickeln.

  

 

Als dann im Jahr 1843 eine im Staßfurter Salinenhof niedergebrachte Bohrung eine Sole mit ungewöhnlich bitterem Geschmack förderte und 1856 aus dem Schacht „Von der Heydt“ bunte und bitter schmeckende (Kali)-Salze gefördert wurden, war die Bedeutung des Rohstoffes Kali zunächst noch nicht erkannt.

 

Erst das Jahr 1861 ging (mit der Aufnahmen der planmäßigen Produktion von angereichertem Kaliumchlorid) als das eigentliche Gründungsjahr der deutschen Kaliindustrie in die Geschichte ein. Ab diesem Zeitraum setzte eine rasante Entwicklung dieses Berbgau-Industriezweiges ein, welche ähnlich dem Goldfieber Amerikas als "Kalifieber" in die deutsche Geschichte einging.

 

Deutschland erlangte sehr schnell das weltweite Monopol in der Kaliproduktion. Bereits bis 1913 waren weit über 200 Kalischächte geteuft. Doch kein Monopol besteht ewig. Mit dem 1. Weltkrieg und der folgenden „Stilllegungsverordnung“ wurden die meisten Schächte geschlossen und der einst so leistungstarke Bergbau begann zu sterben. Mit der Schließung der Begwerke verfiel die Bausubstanz, Schächte soffen ab und die bergmännischen Traditionen verkümmerten.

 

Heute, nach über 150 Jahren Kaligeschichte sind die Spuren der einstigen Bergwerke mit den stillgelegten Schächten und Verarbeitungsanlagen fast verwischt. Selbst den Interessierten fällt es zunehmend schwerer, die ehemaligen Standorte auszumachen, um auf „Spurensuche“ zu gehen und „Zeitzeugen“ dieses einst so erfolgreichen Kapitels einer blühenden Industriegeschichte zu finden.

 

Mit viel Glück stößt man auf  wenige, nicht völlig „geschliffene“ Bergwerksanlagen mit zum Teil ruinenhaften Bauwerksresten  bzw. Fragmenten, die den einstigen Stolz und die hoch zu schätzenden handwerklichen Fähigkeiten der damaligen Bergbaugenerationen erahnen lassen.

 

Der überwiegende Teil der Anlagen ist wie es scheint, namenlos „beerdigt“, und nur wenige Betonbrocken oder die so typischen roten Klinkerziegeln einiger Mauerwerksreste ragen aus der Wildnis mittlerweile zugewachsener Industrielandschaften hervor.

 

Wie so oft in der wechselvollen Kaligeschichte wurden vor allem in der jüngeren (Nachkriegs)- Zeit viele übertägige Bergwerksanlagen nachgenutzt, zu Wohnzwecken umgebaut, für andere Produktionszwecke oder als Lagerräume an so genannte „Nachnutzer“ vermietet oder veräußert. Das diese kein gesteigertes Interesse am Erhalt der historischen Komponenten zeigten und zeigen, versteht sich von selbst.

 

„Die Betondeckel auf den verfüllten Schachtröhren sind inzwischen mit einer dichten Pflanzendecke überzogen und vermitteln so quasi den Eindruck von „Begräbnisstätten“, die schon manchen Bergmann zum andächtigen Verweilen veranlaßten“ [Hans-Heinz Emons, Günther Duchow: Sondershäuser Hefte, Zur Geschichte der deutschen Kaliindustrie. Heft 4/2001, S. 46-47].

 

Vom Fleiß, dem hohen handwerklichen Geschick, der aufopferungsvollen Arbeit der Bergmänner z. B. bei den Teufarbeiten verbunden mit den oft großen menschlichen Opfern oder beim Bau der z.T. riesigen Produktionsanlagen künden heute meist nur noch wenige Zeugnisse.

 

Aus dieser Sicht ist es zu begrüßen, dass auf den in jüngerer Zeit verwahrten Schachtröhren auf der Betonabdeckung meist eine kleine Tafel mit spärlichen Daten angebracht wird. Somit erhalten im übertragenen Sinne diese „Begräbinsstätten“ ihren „Grabdeckel“ als eine Art Gedenkstein mit Inschrift.

 

Aufsatz aus dem Jahr 1913: "Die Geschichte des deutschen Kalibergbaus in den letzten 25 Jahren....."
Entstehung und Zahl der Kaliwerke.doc
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Förderung und Absatz der deutschen Kaliwerke im Jahr 1922
Förderung und Absatz 1922.doc
Microsoft Word-Dokument [1.3 MB]
Asse II
Steinsalzkristalle auf Grubenbahnschwelle
Schachtausmauerung (Modell Deutsches Bergbaumuseum Bochum)
Fördergerüst Esserschacht
Kalisalz Soligorsk
Alte Lohntüte
Schachtröhre mit Tübbingausbau (Modell Deutsches Bergbaumuseum Bochum)
Fördergerüst Schacht Theodore (Elsaß)
Gewerkschaft Beienrode
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