Die Kali- und Steinsalzschächte Deutschlands
Die Kali- und Steinsalzschächte             Deutschlands

1.4 Großherzog von Sachsen

 

 

1.4.1 Schacht "Georg" (Großherzog von Sachsen I)

 

36460

Krayenberggemeinde

OT Dietlas

Lengsfelder Straße 10

 

RW 35 76 778

HW 56 31 607

 

50°48´53,26´´N

10°05´18,09´´O

 

Teufarbeiten: 1899-1905

Teufe: 580 m

Dem in der meiningischen Exklave Dietlas (ca. 3 km2) gelegene Schacht Georg war im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach eine Grechtsame von ca. 61 km2 zugeteilt. Dieser grenzüberschreitende Bereich brachte besondere Probleme mit sich. Er unterstand der Aufsicht zweier Bergämter, dem meiningischen in Saalfeld und dem weimarischen in Dermbach. Finanziell und politisch war man zwei Herzogtümern verpflichtet. Daraus resultiert die Namensgebung für den Schacht nach dem meiningischen Herzog Georg II. dem „Theaterherzog“ unter dessen künstlerischer Leitung das Meininger Hoftheater europäische Geltung erlangte. Die gegründete Gewerkschaft trug den Namen Großherzog von Sachsen, womit man dem Weimarer Herrscher Ehre erwies.

 

Schacht Georg der Gewerkschaft Großherzog von Sachsen wurde von 1899-1905 auf 580m geteuft. Die Kaliförderung begann am 27.05.1905. Das gewonnene Rohsalz wurde mit einer Seilhängebahn von Dietlas nach Dorndorf in die dortige Chlorkaliumfabrik transportiert (später auch als Alte Fabrik auf der Kolonie bekannt). Am 06.06.1926 wurde wurde die Schachtanlage Dietlas als Reservebergwerk sowie die Fabrik stillgelegt. Nach 1945 wurde auf der Schachtanlage die Bergwerksmaschinenfabrik Dietlas eingerichtet.

  

Historische Aufnahmen:

 

 

 

1.4.2 Schacht "Menzengraben I" (Großherzog von Sachsen II )

 

36457

Stadtlengsfeld

OT Menzengraben

Menzengraben 15

 

RW 35 77 614

HW 56 29 171

 

50°47´34,05´´N

10°05´58,93´´O

 

Teufarbeiten: 1911-1915

Teufe: 537 m

 

 

 

 

1.4.3 Schacht "Menzengraben II"  (Großherzog von Sachsen III )

 

36457

Stadtlengsfeld

OT Menzengraben

Menzengraben 15

 

RW 35 77 452

HW 56 29 021

 

50°47´29,29´´N

10°05´50,55´´O

 

 

Teufarbeiten: 1911-1923

Teufe: 542 m

Bergwerksdirektor Karl Hepke war 13 Jahre lang (von 1913-1926) Fabrikdirektor der Kaliwerke Großherzog von Sachsen
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Kaliwerke Grossherzog von Sachsen Aktiengesellschaft zu Weimar

(mit den Schächten in Dietlas und Menzengraben)

 

Die Gewerkschaft „Glückauf-Sondershausen“, welche die Mehrheit der Aktien besitzt, hat der Gesellschaft einen Betriebsvertrag auf die Dauer von 30 Jahren angeboten, um die besonderen Verhältnisse beider Unternehmungen besser ausnutzen zu können. Hiernach wird der gesamte Geschäftsbetrieb der Gesellschaft ab 1. Januar 1920 für Rechnung der Gewerkschaft „Glückauf" geführt. Den Aktionären wird ferner der Umtausch von 13 Aktien Großherzog gegen 1 Kux Glückauf angeboten, oder sie erhalten ab 1920 je Aktie den 14. Teil der von Glückauf je Kux gezahlten Jahres-ausbeute. Dieser Betriebsvertrag ist in der außerordentlichen Generalversammlung vom 5. 2. 1920 genehmigt worden.

Post u. Eisenbahnstation: Dietlas (Rhöngebirge).

Telegrammadresse: Kaliwerk Dietlas Salzungen.

Telephon: Salzungen 11.

Direktion: Vorstand:

  • Karl Hepke, Bergwerksdirektor, Dorndorf, Rhön.
  • Johannes Bohnstedt, Kaufmännischer Direktor, Dietlas, Rhön.
  • Prokurist Alfred Dittmann, Dietlas.
  • Heinrich Evertsbusch, Betriebsdirektor und Prokurist.

Aufsichtsrat: Vorsitzender:

  • Robert Müser, Geh. Kommerzienrat, Dortmund.
  • stellvertretender Vorsitzender:
  • Simon Alfred Freiherr von Oppenheim, Bankier, Villa Thürmchen, Köln.
  • Dr. Max Esser, Baden.
  • Bankier Carl Hagen, Berlin.
  • Geh. Kommerzienrat Cremer, Dortmund.
  • Staatsminister vonNesse, Sondershausen.
  • Justizrat Rande. Dortmund.
  • Kommerzienrat Herm. Röchling, Heidelberg.
  • Bankdirektor Oskar Schli'ter, Berlin.
  • Gustav Kost, Bergrat, Erwinstr. 4, Hannover.
  • Carl V. Hinckeldey, Hauptmann, Neu-Rahlstedt bei Hamburg.
  • Freiherr Hans von Steffens, Dr., Feldöting.
  • Bergrat Baer, Generaldirektor, Sondershausen.
  • Oberregierungsrat Dr. Rink, Weimar.
  • Geh. Regierungsrat Dr. K. Brügmann, Honnef,

Zahlstelle: Sal. Oppenheim jr. 6 Co., Köln

Sal Oppenheim jr. & Co., Köln.

Für Zinskupons auch:

S. Bleichröder, Berlin.

Geschäftskasse in Dietlas.

Gründung: Als Kalibohrgesellschaft am 15. Sept. 1894, als Gewerkschaft am 2. Mai 1896, Statut vom 18. 2. 1904 und 28. 6. 1907 handelsgerichtlich eingetragen am 14. 3. 1908, der Gesellschaftsvertrag als Aktiengesellschaft ist am 7. Mai 1912 festge-stellt worden. Das bisher von der Gewerkschaft betriebene Kalibergbauunternehmen gilt vom 1. Januar 1912 ab als für Rechnung der Aktiengesellschaft geführt.

Gegenstand des Unternehmens: Die Ausbeutung der bisher der Gewerkschaft Grossherzog von Sachsen gehörigen Salz- und Kalibergwerksberechtigungen „Grossherzog von Sachsen", „Dietlas" und „Dietlas 2", belegen in den Bezirken des Grossherzoglich Sächsischen Bergamte Dermbach und des Herzoglich Meiningschen Bergamts Saalfeld, sowie die Ausbeutung etwaiger neu zu erwerbender Bergwerks-berechtigungen, die Herstellung und der Betrieb aller Anlagen und Unternehmungen welche die Ausbeute jener Bergwerke und Berechtigungen und die Verwertung ihrer Produkle in roher oder verarbeiteter Fom befördern; der Erwerb und die Verwertung von Grundstückon, Bergbaugerechtsamen und Bergwerkseigentum; jede Art gewerb-licher Ausnutzung des Kalibergbaues und seiner Erzeugnisse. Die Gesellschaft kann sich auch an Unternehmungen der vorbezeichneten Art beteiligen.

Aktienkapital: 9 000 000 M. und ist in 9000 Stück Inhaberaktien zerlegt. Ursprünglich betrug dieses 6 Mill. M.; in der Generalversammlung vom 5. Juni 1912 wurde die Erhöhung um 2 Mill. M. beschlossen. Die Gewerkschaft hat ihr Unternehmen mit allen Aktiven und Passiven gegen Gewährung von 5 996 000 M. Aktien in die A.-G. eingebracht indem sie ihr Vermögen als Ganzes und unter Ausschluas der Liquidation an die A.-G. überträgt, und zwar auf Grund seiner Aufstellung wonach die Aktiva der Gesellschaft mit 9.375.411 M. bewertet sind, während sich die Schulden auf 2.367.149 M. belaufen, so dass das Reinvermögen der bisherigen Gewerkschaft

7 008 262 M. betrug. In der außerordentlichen Generalversammlung vom 20. Nov. 1917 ist das Aktienkapital um weitere 1 Million Mark erhöht und die Ausgabe der gesamten 3000 Stück neuer Aktien beschlossen worden.

Preisstand der Aktien: Am 31. 12. 1920: 600 %, am 31. 12. 1921: 1200 %.

Bohrergebnisse:

Bohrung I, 400 m nördlich von Ober-Zella, wurde in einer Teufe von 104 m eingestellt,

Bohrung II am Südfusse des Mäuseberges durchteufte

bis     410,80 m Deckgebirge,

433,50 - 435,00 m 1. Kalizone (Kieserit),

435,00 - 481,00 m Steinsalz,

481,00 - 484,50 m 2. Kalizone (Carnallit),

484,60 - 485,20 m Steinsalz mit etwas Kieserit.

Bohrung III: 1850 m südöstlich der Dietlasser Kesselbrücke durchbohrte

bis      389,98 m Deckgebirge,

389,98 - 485,33 m Steinsalz,

485,33 - 488,00 m I. Kalizone (Kainit),

488,00 - 549,60 m Steinsalz,

549,60 - 558,20 m II. Kalizone (Carnallit),

558,20 - 583,80 m Steinsalz

Bohrung IV, in der Sachsen-Meiningischen Enclave Dietlas am Südwestabhange des Salzkopfos durchbohrte

bis      417,70 m Deckgebirge,

417,70 - 529,82 m Steinsalz mit Anhydrit, Thon und Kieserit,

529,82 - 532,87 m Kalisalz mit durchschnittlich 24,55 % KCl.,

532,87 - 586,66 m Steinsalz,

586,66 - 587,05 m K a l i s a l z ,

587,05 - 595,55 m Steinsalz,

595,55 - 595,62 m K a l i s a l z ,

595,62 - 669,69 m Steinsalz,

669,69 - 670,00 m Anhydrit.

Schachtbau: Der Georg-Schacht (in Dietlas) wurde am 12. Januar 1898 nahe bei Bohrloch IV in Angriff genommen; am 15. März 1903 war die Bohrung beendet, am 19. Januar 1904 erfolgte der vollständige Wasserabschluss. Am 22. Februar 1904 wurde mit dem Abteufen begonnen, am 27. Februar hatte man bei 417,5 m das obere Steinsalzlager erreicht. Am 12. Juni 1904 wurde bei 539 m Teufe das obere Kaliiager erreicht. Der Schacht hat eine Teufe von 560 m und am 3. Febr. 1905 konnte der regelmässige Betrieb eröffnet werden. Die Aufschuss- und Vorrichtimgsarbeiten auf der Grube wurden während des Jahres 1906 forciert betrieben und ca. 950 m Strecken im oberen und unteren Lager aufgefahren, sowie ca. 745 m Strecken reguliert und ca. 25 m Strecken von 5 auf 12 m erweitert. Im Jahre 1907 sind die Aufschlussarbeiten fortgesetzt und haben sowohl hinsichtlich der Mächtigkeit der Lager als auch des Gehaltes an KCl. erfreuliche Resultate gezeitigt.

 

Tagesanlagen: Die Concession zur Errichtung einer C h l o r k a l i u m f a b r i k in Dorndorf (westlich von Dorndorf) zur Verarbeitung von 50O0 dz pro Tag wurde am 27. Mai 1905 erteilt und hierauf im Juni sofort mit der Erbauung der Fabrik begonnen. Am 11. Juli 1906 kam die Fabrik teilweise und Anlang September voll in Betrieb. Im Dezember 1908 wurde auch die Fabrikation von Brom aufgenommen. 1911 wurde mit der Modernisierung der Dampfkesselanlago in Donidorf und der Errichtung einer elektrischen Kraftzentrale begonnen. Die im Jahre 1905 erbaute Salzmühle ist im Jahre 1906 vergrößert. Zur Aufspeicherung von Rohsalzen ist ein großer Schuppen von 20 000 t Fassungsvermögen erbaut worden. Eine vom Schacht zur Fabrik führende Drahtseilbahn kam am 1. April 1906 in Betrieb. Die Fabrik hat Bahnanschluß an die Strecke Salzungen-Vacha, während die Dietlaser Bergwerksanlage an die Strecke Dorndorf-Kaltennordheim angeschlossen ist.

Gerechtsame: Ursprünglich 49 078 846 qm = 22,42 preuß. Normalfelder und zwar 21,03 preussische Maximalfelder in den Fluren Gehaus, Wölferbütt, Willmanns, Völkershausen, Martinroda, Vacha, Badelachen, Unterzella, Dorndorf und Hohenwart, sowie in den Forstdistricten Altes Rod, Bornkopf, Schorn, Rückersberg, Wiche, Riemen, Scharfen-Kopf, Gr. Heide, Hoppberg und Mäuseberg im Bezirk des Großherzoglich - Sachsen - Weimarischen - Bergamts Kaltennordheim und 1,39 preußische Normalfelder in der vom Weimarschen Gebiete umschlossenen Dietlaser Enclave in Sachsen-Meiningen. Die an das Bankhaus Sal. Oppenheim jun. in Köln erfolgten Verleihungsurkunden lauten auf Kali-Magnesia und andere Salze. Infolge von Nachmutung wurde der Gewerkschaft auf Steinsalze und Kalisalze ein in den Fluren von Dorndorf an der Werra und Kieselbach, nordöstlioh von Dorndorf belegenes Grubenfeld und für ein weiteres in den Fluren von Sünna, Deicherode, Wölferbütt, Völkershausen mit Kohlgraben, Rodenberg, Luttershof, Poppenberg und Vacha, sowie im eximierten grossherzoglichen Forstrevier Völkershausen (Gebiet um den Oechsen- und Dietrichsberg) zusammen 12 207 845 qm verliehen. Das Bergwerk behält den Namen Gewerkschaft Grossherzog von Sachsen auch für diese Nachmutung. Der gesamte Grubenbesitz beträgt somit 6 128 691 qm = rd. 28 preuß. Normalfelder. Dorndorf u. Kieselbach liegen im äußersten Norden der Gerechtsame, während die anderen Ortschaften in dem südwestlichen Teile derselben liegen. Die Felder markscheiden im Osten mit den Grubenfeldern von Kaiseroda und Grossherzogin Sophie, im Süden mit Heiligenmühle und Mariengart, im Westen mit Sachsen-Weimar und Hattorf, im Norden mit Heiligenroda und Dönges.

Anleihen: Die Großherzoglich Sächsische Regierung hat der früheren Gewerkschaft im Juli 1905 die Genehmigung zur Aufnahme einer 4,5 % igen zu 103 % rückzahlbaren Anleihe von 1 500 000 Mark erteilt. Die Anleihe ist von S. Bleicheröder und Sal. Oppenheim jun. übernommen.

Anzahl der früheren Kuxe: 1000, von denen 900 zubußepfliclitig sind. Auf die übrigen 100 hat der Weimarsche Fiskus ein Optionsrecht bis fünf Jahre nach erfolgter Betriebseröffnung gegen Zahlung des zehnten Teils der bis dahin eingezogenen Zubußen. Dieses Optionsrecht hat der Fiskus ausgeübt und 1906 die 100 Kuxe käuflich übernommen.

 

Förderung:

 

 

1920

1919

Schacht I

2 134 835 dz

984 093 dz

Schacht II

   576 507 dz

623 416 dz

 

 

 

Absatz:

 

 

Chlor

Kalium

dz

Dünge

Salz

dz

Kainit

dz

Karnallit

dz

Sulfat

dz

Kieserit

dz

Brom

Kgr

1908

48 402

47 940

539 820

21 662

12 758

813

 

1909

69 478

42 298

412 129

 

32 609

12 395

25 560

1910

95 811

39 752

302 546

 

48 410

6 767

33 996

1911

99 682

47 060

97 952

 

95 042

11 548

16 164

1912

69 958

64 347

201 134

 

69 689

4 813

 

1913

68 773

56 956

140 741

27

78 138

 

 

1914

34 922

62 181

143 603

38

85 748

 

 

1915

20 423

57 148

302 218

10

60 610

162

15 960

1916

12 511

155 491

524 962

10

82 690

 

 

1917

35 885

121 633

509 783

6

73 693

 

12 525

1918

132 639

148 120

648 691

7

22 377

 

 

1919

72 929

140 390

717 980

7 507

 

 

 

1920

68 022

34 725

69 260

426

14 196

 

 

 

Zubussen: Von der ehemaligen Gewerkschaft sind insgesamt 7 080 000 M.

eingezogen worden.

Ausbeuten: Die erste Ausbeute gelangte mit 150 M. pro Kux am 2. Januar 1908 zur Ausschüttung, die zweite mit 75 M. am 1. Juli 1908, die dritte mit 75 M. am 1. Oktober 1908, die vierte mit 100 M. am 2. Januar 1909. Für das 1. Quartal 1909 wurden 100 M. verteilt; im 2. Quartal 1909 wurde infolge der unsicheren Syndikats-verhältnisse von einer Ausbeuteausshüttung abgesehen. III. und IV. Quartal: Je 100 M. pro Kux und Quartal, 1910 pro Quartal 125 M., 1911 pro Kux und Quartal 150 M.

Dividenden: 1912-1920: 9, 0, 0, 0, 0, 0, 0, 12, 35,714 %.

Kalisyndikat: Die Aufnahme der Gewerkschaft in das Kalisyndikat erfolgte am 17. Mai 1905 auf Grundlage der Quote von Wintershall. Eine Belahrung des Werkes durch die Syndicatscommission war am 19. April erfolgt.

Letzte ordentliche Generalversammlung: 9. IV. 1921.

 

Zweiter und dritter Schacht: Im Frühjahr 1911 wurden im Südfelde der Gerechtsame 12 ha Land erworben und mit dem Bau einer Doppelschachtanlage begonnen. Errichtet sind an prov. Bauten:

S c h a c h t II (Menzengraben I):

Schachtturm, Kaue, Fördermaschinen-, Dampfkabel- u. Ventilatorengebäude. Schacht II ist fertiggestellt und seit dem 1. Februar 1916 mit einer provisorischen Beteiligung ausgestattet.

 

S c h a c h t :III: (Menzengraben II):

Schachtturm, Kaue, Föröermaschinen- und Dampfkabelgebäude. Der Betrieb im Schachte III ruhte infolge der bekannten Schwierigkeiten im Jahre 1916.

 

W e t e r h i n: sind errichtet: Prov. Verwaltungsgebäude Werkstättengebäude, Magazin- und Zechenhaus, Transformatorenhaus, Dyamitmagazin, Kasino und Arbeiterkantine, Kesselhaus, sowie eine Rohsalzmühle und ein Rohsalzschuppcn von 20 000 t Fassungsvermögen. Die Werke haben Bahnanschluß an die Strecke Dorndorf-Kaltennordheim. Ferner besteht ein Wasserwerk mit Wasserleitung.

 

Fabrik: Mit dem Bau einer großen chemischien Fabrik auf Schacht II/III ist begonnen. Der Betrieb soll Anfang 1922 aufgenommen werden.

 

Die Fabrik in Dondorf erzeugte: (Quelle: 7*)

 

 

 

Chlorkalium 80%

Sulfat 90% K2SO4

1919

147 806 dz

14 082 dz

1920

352 194 dz

61 448 dz

 

Werk Großherzog von Sachsen, Schacht I—III

(ehemalige Kaliwerke Großherzog von Sachsen Aktiengesellschaft)

Dietlas (Rhöngeb.)

 

Revier: Eisenach.

Gründung: Als Kalibohrgesellschaft 15. Sept. 1894, als Gewerkschaft am 2. Mai 1896, Statut vom 18. 2. 1904 und 38. 6. 1907 handelsgerichtlich eingetragen am 14. 3. 1908, der Gesellschaftsvertrag als Aktiengesellschaft ist am 7. Mai 1912 festge-stellt worden. Das bisher von der Gewerkschaft betriebene Kalibergbauunternehmen galt vom 1. Januar 1912 ab als für Rechnung der Aktiengesellschaft geführt.

Gegenstand des Unternehmens: Die Ausbeutung der früher der Gewerkschaft Großherzog von Sachsen gehörigen Salz- und Kalibergwerksberechtigungen „Großherzog von Sachsen", „Dietlas" und „Dietlas 2", belegen in den Bezirken der Thüringischen Bergämter Dermbach und Saalfeld, sowie die Ausbeutung etwaiger neu zu erwerbender Bergwerksberechtigungen, die Herstellung und der Betrieb aller Anlagen und Unternehmungen, welche die Ausbeute jener Bergwerke und Berechtigungen und die Verwertung ihrer Produkte in roher oder verarbeiteter Form fördern; der Erwerb und die Verwertung von Grundstücken, Bergbaugerechtsamen und Bergwerkseigentum; jede Art gewerblicher Ausnutzung des Kalibergbaues und seiner Erzeugnisse. Die Gesellschaft kann sich auch an Unternehmungen der vorbezeichneten Art beteiligen

Bohrergebnisse: Bohrung I , 400 m nördlich von Ober-Zella, wurde in einer Teufe von 104 m eingestellt, Bohrung II am Südfusse des Mäuseberges durchteufte

bis      410,80 m Deckgebirge,

433,50 - 435,00 m 1. Kalizone (Kieserit),

435,00 - 481,00 m Steinsalz,

481,00 - 484,50 m 2. Kalizone (Carnallit),

484,60 - 485,20 m Steinsalz mit etwas Kieserit.

Bohrung III: 1850 m südöstlich der Dietlasser Kesselbrücke durchbohrte

bis      389,98 m Deckgebirge,

389,98 - 485,33 m Steinsalz,

485,33 - 488,00 m I. Kalizone (Kainit),

488,00 - 549,60 m Steinsalz,

549,60 - 558,20 m II. Kalizone (Carnallit),

558,20 - 583,80 m Steinsalz

Bohrung IV, in der Sachsen-Meiningischen Enclave Dietlas am Südwestabhange des Salzkopfes durchbohrte

bis      417,70 m Deckgebirge,

417,70 - 529,82 m Steinsalz mit Anhydrit, Thon und Kieserit,

529,82 - 532,87 m Kalisalz mit durchschnittlich 24,55 % KCl.,

532,87 - 586,66 m Steinsalz,

586,66 - 587,05 m K a l i s a l z ,

587,05 - 595,55 m Steinsalz,

595,55 - 595,62 m K a l i s a l z ,

595,62 - 669,69 m Steinsalz,

669,69 - 670,00 m Anhydrit.

 

Gerechtsame: Ursprünglich 49 078 846 qm = 22,42 preuß. Normalfelder und zwar 21,03 preußische Maximalfelder in den Fluren Gehaus, Wölferbütt, Willmanns, Völkershausen, Martinroda, Vacha, Badelachen, Unterzella, Dorndorf und Hohenwart, sowie in den Forstdistricten Altes Rod, Bornkopf, Schorn, Rückersberg, Wiche, Riemen, Scharfen-Kopf, Gr. Heide, Hoppberg und Mäuseberg im Bezirk des Großherzoglich Sachsen Weimarischen Bergamts Kaltennordheim und 1,39 preußische Normalfelder in der vom Weimarschen Gebiete umschlossenen Dietlaser Enclave in Sachsen-Meiningen. Die an das Bankhaus Sal. Oppenheim jun. in Köln erfolgten Verleihungsurkunden lauten auf Kali-Magnesia und andere Salze. Infolge von Nachmutung wurde der Gewerkschaft auf Steinsalze und Kalisalze ein in den Fluren von Dorndorf an der Werra und Kieselbach, nordöstlioh von Dorndorf belegenes Grubenfeld und für ein weiteres in den Fluren von Sünna, Deicherode, Wölferbütt, Völkershausen mit Kohlgraben, Rodenberg, Luttershof, Poppenberg und Vacha, sowie im eximierten großherzoglichen Forstrevier Völkershausen (Gebiet um den Oechsen- und Dietrichsberg) zusammen 12 207 845 qm verliehen. Das Bergwerk behält den Namen Gewerkschaft Grossherzog von Sachsen auch für diese Nachmutung. Der gesamte Grubenbesitz beträgt somit 6 128 691 qm = rd. 28 preuß. Normalfelder. Dorndorf u. Kieselbach liegen im äußersten Norden der Gerechtsame, während die anderen Ortschaften in dem südwestlichen Teile derselben liegen. Die Felder markscheiden im Osten mit den Grubenfeldern von Kaiseroda und Grossherzogin Sophie, im Süden mit Heiligenmühle und Mariengart, im Westen mit Sachsen-Weimar und Hattorf, im Norden mit Heiligenroda und Dönges. Im Jahre 1922 hat mit den Gewerkschaften Heiligenroda und Kaiseroda ein Felderaustausch stattgefunden, wodurch eine vorteilhafte Abrundung der Gerechtsame herbeigeführt worden ist

Schachtbau: Schacht I (in Dietlas) wurde am 12. Januar 1898 nahe bei Bohrloch IV in Angriff genommen; am 15. März 1903 war die Bohrung beendet, am 19. Januar 1904 erfolgte der vollständige Wasserabschluß. Am 22. Februar 1904 wurde mit dem Abteufen begonnen, am 27. Februar hatte man bei 417,5 m das obere Steinsalzlager erreicht. Am 12. Juni 1904 wurde bei 539 m Teufe das obere Kalilager erreicht. Der 'Schacht hat eine Teufe von 560 m und am 3. Februar 1905 konnte der regelmäßige Betrieb eröffnet werden. Die Aufschluß- und Vorrichtungsarbeiten auf der Grube wurden während des Jahres 1906 forciert betrieben und ca. 950 m Strecken im oberen und unteren Lager aufgefahren, sowie ca. 745 m Strecken reguliert und ca. 25 m Strecken von 5 auf 12 m erweitert. Im Jahre 1907 sind die Aufschlußarbeiten fortgesetzt und haben sowohl hinsichtlich der Mächtigkeit der Lager als auch des Gehaltes an KCl. erfreuliche Resultate gezeitigt.

Zweiter Schacht (im Menzengraben): Im Frühjahr 1911 wurden im Südfelde der Gerechtsame 12 ha Land erworben und mit dem Bau einer Doppelschachtanlage begonnen. Errichtet sind an Bauten: S c h a c h t II : Fördergerüst, Kaue, elektrische Fördermaschinen-, Dampfkabel- und Ventilatorengebäude. S c h a c h t III: Schachtturm, Kaue, Fördermaschinen- und Dampfkabelgebäude. An gemeinschaftlichen Bauten sind errichtet: Verwaltungsgebäude, Werkstättengebäude, Magazin- und Zechenhaus, Trans-formatorenhaus, Dynamitmagazin, Kasino und Arbeiterkantine, Kesselhaus, sowie eine Rohsalzmühle und ein Rohsalzschuppen von 20 000 t Fassungsvermögen. Die Werke haben Bahnanschluß an die Strecke Dorndorf—

Kaltennordheim. Ferner besteht ein Wasserwerk mit Wasserleitung. Schacht II ist fertig-gestellt und seit dem 1. Februar 1916 mit einer Beteiligung ausgestattet. Schacht III ist Ende 1923 fertiggestellt worden und erhielt ab 1. Mai 1924 eine prov. Quote von 31 % der durch-schnittlichen Beteiligung aller Werke. Die Mächtigkeit der Salzlager beträgt durchschnittlich wie im Schacht II 11 m und der Durchschnittsgehalt der Salze etwa 14-20 % K2O.

Dritter Schacht (im Menzengraben): Von derjenigen der Kaliwerke Großherzog von Sachsen abgezweigt in der Gemarkung Stadtlengsfeld (Rhön), Größe 8 677 442 qm. Die Abteufarbeiten wurden am 9. Februar 1922 begonnen und ruhten vorübergehend während des Krieges. Im Jahre 1920 wurden sie wieder aufgenommen und das Kalilager ist am 17. April 1924 bei 524 m angefahren worden. Der Schacht ist mit dem im Betrieb befindlichen Schacht II von Großherzog durchschlägig. Nachdem Ende April 1926 die Aufschlußarbeiten zwecks Erlangung der endgültigen Beteiligungsziffer beendet waren, wurde dem Schacht eine Quote von 118 % der durchschnittlichen Beteiligungsziffer aller Kaliwerke zuerkannt. Die bei den Schachtanlagen I I und I I I errichtete große chemische Fabrik wurde zu Anfang des Jahres 1923 in Betrieb genommen. Sie war auf eine tägliche Verarbeitung von vorläufig 10 000 dz Rohsalz eingerichtet.

Tagesanlagen: Die Konzession zur Errichtung einer Chlorkaliumfabrik in Dorndorf zur Verarbeitung von 5000 dz pro Tag wurde am 27. Mai 1905 erteilt und hierauf im Juni sofort mit der Erbauung der Fabrik begonnen. Am 11. Juli 1906 kam die Fabrik teilweise und Anfang Sept. voll in Betrieb. Im Dez. 1908 wurde auch die Fabrikation von Brom aufgenommen. 1911 wurde die Modernisierung der Dampfkesselanlage in Dorndorf und die Errichtung einer elektrischen Kraftzentrale ausgeführt. Gegenwärtig ist die Fabrik in der Lage, 15 000 dz Rohsalz pro Tag zu verarbeiten. Es werden daraus außer Chlorkalium täglich 700—800 dz schwefels. Kali hergestellt. In den letzten Jahren sind die Fabrikationen von geschm. Chlormagnesium und Bittersalz aufgenommen worden. Die im Jahre 1905 erbaute Salzmühle ist im Jahre 1906 vergrößert. Zur Aufspeicherung von Rohsalzen ist ein großer Schuppen von 20 000 t Fassungsvermögen erbaut worden. Eine vom Schacht zur Fabrik führende Drahtseilbahn kam am 1. April 1906 in Betrieb. Die Fabrik hat Bahnanschluß an die Strecke Salzungen—Vacha, während die Dietlaser Bergwerksanlage an die Strecke Dorndorf—Kaltennordheim angeschlossen ist.

Neue Fabrik : Der Bau einer großen chemischen Fabrik (am Ostrand von Dorndorf) ist beendet. Der Betrieb ist März 1923 aufgenommen worden und zwar mit einer täglichen Verarbeitung bis zu 10 000 dz Rohsalz. Die Einrichtungen sind so getroffen, daß ohne erhebliche Geldmittel die Leistungsfähigkeit auf 50 000 dz Rohsalz pro Tag erhöht werden kann.

Abwässerkonzessionen: Schacht I : für 6000 dz Carnallit täglich und Hartsalz unbeschränkt; Schacht I I und I I I: für 8000 dz Carnallit und 5000 dz Hartsalz täglich.

Belegschaft: betrug im April 1924 inkl. sämtlicher Betriebsabteilungen etwa 800 Mann.

Kalisyndikat: Die Aufnahme der Gewerkschaft in das Kalisyndikat erfolgte am 17. Mai 1905 auf Grundlage der Quote von Wintershall. Eine Befahrung des Werkes durch die Syndikatskommission war am 19. April 1905 erfolgt. Fusion mit der Kali-Industrie (späteren Wintershall) A-G: Eine am 23. 9. 1926 abgehaltene außerordentliche Generalversammlung beschloß die Fusion mit der Kali-Industrie A.-G. Im Umtausch bot die Kali-Industrie A.-G. den Aktionären der Kaliwerke Großherzog von Sachsen A.-G. für je 500 RM 285,60 RM Kali-Industrie-Aktien. Das Umtauschangebot erging mit Wirksamkeit ab 30. 3. 1927. Nach erfolgter Fusion mit der Kali-Industrie A.-G. ist das Unternehmen am 30. 3. 1927 erloschen.

Liquidationsbeschluß vom 23. Sept. 1926.

Laut Beschluß der außerordentlichen Generalversammlung vom 5. 2. 1920 wurde mit der Gewerkschaft „Glückauf" Sondershausen, welche die Mehrheit der Aktien besaß, ein Betriebsvertrag auf die Dauer von 30 Jahren geschlossen. Hiernach wurde der gesamte Geschäftsbetrieb der Gesellschaft ab 1. 1. 1920 für Rechnung der Gewerkschaft „Glückauf" geführt. Den Aktionären wurde ferner der Umtausch von 13 Aktien Großherzog gegen 1 Kux Glückauf angeboten, oder sie erhielten ab 1920 je Aktie den 14. Teil der von Glückauf je Kux gezahlten Jahresausbeute.

Vorübergehende Betriebsstillegung des Werkes:

Am 1. 5. 1927 wurde wegen Absatzschwierigkeiten das Werk stillgelegt. Das gesamte Fördergut der Gesellschaft wurde von der Fabrik Heiligenroda mit verarbeitet. (Quelle:10*)

Asse II
Steinsalzkristalle auf Grubenbahnschwelle
Schachtausmauerung (Modell Deutsches Bergbaumuseum Bochum)
Fördergerüst Esserschacht
Kalisalz Soligorsk
Alte Lohntüte
Schachtröhre mit Tübbingausbau (Modell Deutsches Bergbaumuseum Bochum)
Fördergerüst Schacht Theodore (Elsaß)
Gewerkschaft Beienrode
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