Die Kali- und Steinsalzschächte Deutschlands
Die Kali- und Steinsalzschächte             Deutschlands

2.6 Günthershall

 

 

2.6.1 Schacht "Günthershall" (Göllingen)

 

06567

Göllingen

Schachtstraße

 

RW 44 30 324

Hw 56 89 747

 

51°20´17,64´´N

10°59´54,97´´O

 

Göllingen, Gelände des ehemaligen Kaliwerkes Günthershall. Der Schacht Günthershall wurde im Zeitraum von 1904-1907 abgeteuft. Die Stilllegung des Werkes erfolgte 1925. Die Grube ist offensichtlich durch Schäden in der Schachtröhre ersoffen. Der 1936 in Göllingen aufgetretene Erdstoß wird mit dem Ersaufen der Grube im Zusammenhang gesehen. Sehr wahrscheinlich führte die Auflösung der Pfeiler im Carnallit zu gebirgsschlagähnlichen Zusammenbrüchen im Grubengebäude.

 

Gewerkschaft Günthershall in Göllingen a. Kyffh.

 

Gründung: Am 3. Juli 1902 aus der Kalibohrgesellschaft Robertshall hervorgegangen nachdem durch Schreiben vom 20. Juni 1902 der regierende Fürst von Schwarzburg-Rudolstadt die Erlaubnis zur Beilegung des Namens Günthershall gegeben hat.

Gegenstand des Unternehmens:Durch Vertrag vom 12. Januar 1895 des Ministeriums vom Fürstentum Schwarzbnrg-Rudolstadt mit Herrn Dr. M. Wolff zu Berlin und Nachtrag dazu vom 24. October 1899 ist die ausschliessliche Erlaubnis zur Ausbeutung von Steinsalz und beibrechendenden Kalisalzen in der Fürstl. Unterherrschaft Herrn Dr. M . Wolff erteilt. Am 17. 10. 1899 übertrug Herr Dr. M . Wolff seine Rechte und Pflichten aus diesem Vertrage an die Kalibohrgesellschaft Robertshall und am 24. Oktober 1899 wurde diese Uebertragung durch das Fürstl. Schwarzburgische Ministerium als gültig anerkannt. Die Kalibohr-gesellschaft Robertshall ihrerseits hat am 3. Juli 1902 ihre Rechte an die Gewerkschaft Günthershall übertragen.

Gerechtsame: 151 613,840 qm. Die Felder liegen im Wippertal am Gebirgszuge der Hainleite. Die Feldesgrenzen waren die Landesgrenze der Unterherrschaft von Schwarzburg-Rudolstadt, Enclave Franken-hausen. An der Westseite stoßen die Abbaugrenzen direkt an diejenigen der Gewerkschaft „Glückauf-Sondershausen". An der Ostseite lag die Sachsen-Weimarische Enclave Oldisleben und daran als nächster Nachbar die Gewerkschaft Heldrungen 1 u . 2. Nördlich und südlich grenzen Gebiete des preußischen Staates an. Die Gewerkenveisammlung vom 21. November 1910 beschloss dann, von der neu gegründeten Gewerkschaft Schwarzburg einen Teil der Gerechtsame, nämlichdie Gemarkung Seehausen wieder für 800000 M. zurückzuerwerben.

Gebirgsverhältnisse: Durch über 100 Bohrungen in der Umgebung des Konzessionsfeldes wurde eine regelmäßige Ablagerung und gleichartige Schichtenfolge konstatiert. Das Edelsalzlager wird durch Steinsalz, Salzton und Anhydrit mit ungefähr 140 m Gesamtmächtigkeit und darauf folgende flachgelagerte feste Buntsandteinschichten der Buntsand-steinformation überdeckt.

Schachtbau: Mit dem Bau des Schachtes auf der Westseite des Michelsberges, westlich des Ortes Göllingen und nördlich vom Kahlenberge im Streichen des Fundbohrloches ist am 18. Januar 1905 begonnen. Der Schacht hat eine lichte Weite von 5,25 m. Die Wasser wurden bei 161 m im unteren Buntsandstein abgeschlossen. Die Gesamtteufe des Schachtes beträgt 630 m. Der Schachtausbau erfolgte 154 Meter in Eisen, dann in Mauerung. Seit August 1907 ist der Schacht im Vollbetrieb. Der Abbau bewegt sich auf Sohle IV 618 m und Sohle V 638 Meter tief, während auf Sohle III 601 m tief nur Wetterstrecken hergestellt wurden. Die Gesamtmächligkeit des Lagers ist ziemlich gleichmässig mit 20 bis 25 Meter aufgeschlossen worden. Im südlichen Feldesteil ist das untere Hartsalzlager mit 4,5 m Mächtigkeit und mit einer 12,4 % igen Beschaffenheit erschlossen. Im westlichem Feld zeigt das Kalilager einen höheren Gehalt von 12-16 % KCl.

Umsatz an reinem Kali: 1917 wurden insgesamt 74 328,27 dz K2O zum Versand gebracht, und zwar 45 037,27 dz K2O auf die eigene Beteiligung, während 29 291 dz K2O für fremde Rechnung geliefert wurden. Im Jahr 1919 setzte das Werk insgesamt 85 268,87 dz K2O ab. Im Jahre 1920 betrug der Absatz 86 436,01 dz K2O.

Tagesanlagen: Die Gewerkschaft erhielt am 19. November 1901 die erste Konzession zur Ableitung von Endlaugen aus einer bei Göllingen zu bauenden Chlorkaliumfabrik in die Wipper. Hierbei wurde zunächst eine Verarbeitung von täglich 1000 dz Rohcarnallit vorgesehen. Durch Konzession vom 1. April 1902 wurde das zu vermahlene Quantum auf 4000 dz pro Tag erhöht. Nach den ursprünglich erleilten Konzessionen, sollte der Bau innerhalb eines Jahres begonnen werden, doch wurden die Fristen am 29. Novemlier 1902 bezw. 20. März 1903 auf 4 Jahre und im Mai 1906 noch um weitere 2 Jahre, also bis zum 23. November 1907 resp. 1. April 1908 verlängert. Der Beschluß zum Bau der Fabrik wurde damit von einer am 6. Juni 1906 stattgehaltenen Generalversammlung gefaßt. Die Fabrik wurde zum Teil am 25. Mai 1907, dann voll im August 1907 in Betrieb genommen. Sie ist für eine tägliche Verarbeitung von 4000 dz Rohsalz eingerichtet. Eine Kieseritfabrik kam im Januar 1909 in Betrieb, eine Bromfabrik im Mai 1910. Zum Vermahlem von Rohsalzen ist eine Hartsalzmühle aufgestellt, welche von der Maschinenfabrik und Mühlenbauanstalt A.G. Luther in Braunschweig geliefert wurde. Sonstige Tagesanlagen: Rohsalzmagazin, Kesselhaus mit 15 Cornwallkesseln, elektrische Zentrale, Wasserversorgung, Bahnanschluß nach Station Göllingen. Wegen Verarbeitung der Salze von Schwarzburg wurde die Fabrik 1912 vergrößert. Im Jahre 1917 wurden in der Fabrik 920 589 dz Rohsalze verarbeitet und 58 455,16 dz K2O hergestellt.

Nächste Eisenbahnstation: Göllingen a. Kyffh., Station der Staatsbahn Bretleben-Sondershausen. (Quelle: 7*)

Asse II
Steinsalzkristalle auf Grubenbahnschwelle
Schachtausmauerung (Modell Deutsches Bergbaumuseum Bochum)
Fördergerüst Esserschacht
Kalisalz Soligorsk
Alte Lohntüte
Schachtröhre mit Tübbingausbau (Modell Deutsches Bergbaumuseum Bochum)
Fördergerüst Schacht Theodore (Elsaß)
Gewerkschaft Beienrode
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