Die Kali- und Steinsalzschächte Deutschlands
Die Kali- und Steinsalzschächte             Deutschlands

3.15 Thüringen

 

 

3.15.1 Schacht "Thüringen I" 

 

06556

Heygendorf

Am Schacht 154

 

RW 44 57 048

HW 56 91 439

 

51°21´21,67´´N

11°22´54,75´´O

 

  • Die Abteufarbeiten begannen am 25.04.1905. Bereits im Juni 1906 wurde das Kalilager in einer Teufe von 340 m angefahren.
  • Am 20.09.1921 wurde die Förderung eingestellt und von 1928 bis 1934 die Tagesanlagen und das Anschlußgleis abgebrochen.
  • Nach der Demontage der Förderanlage am Schacht wurde dieser durch Versturz von Erdmassen teilweise verfüllt.
  • Von 1964 bis 1966 füllte füllte sich die Schachtröhre mit Wasser und die Grube soff über die Schachtröhre ab

 

 

3.15.2 Schacht "Thüringen II"

 

06556
Heygendorf
Nähe Vorwerk

 

RW 44 58 339

HW 56 90 929

 

51°21´05,77´´N
11°24´01,63´´O

  • Die Abteufarbeiten wurden am 13.01.1913 begonnen
  • Hohe Wasserzuflüsse führte zur Einstellung der Teufarbeiten bei 275 m
  • Die Abteufarbeiten ruhten während des I. Weltkrieges und wurden bis zur Produktionseinstellung auf Schacht Thüringen I im Jahr 1921 nicht wieder aufgenommen

Gewerkschaft Thüringen zu Heygendorf,

in Heygendorf (Freistaat Sachsen-Weimar).

 

Gründung: Bohrvertrag vom 10./14. Januar 1903, Abtretungsvertrag vom 19. November 1904, Urkunde vom 22. Februar mit Nachtrag vom 30. October 1905, handelsgerichtliche Eintragung Januar 1906. Der Gesellschaftsvertrag vom 8. 12. 1904 wurde durch Beschluss der Gewerkenversammlung vom 7. April 1906 durch einen neuen, dem Berggesetz für das Grossherzogtum Weimar vom 1. März 1905, entsprechenden, ersetzt.

 

Gegenstand des Unternehmens: Ausbeutung der seitens der Sachsen Weimarischen Regierung der Gewerkschaft zu verleihenden Berechtigung zur Anlage und zum Betriebe eines Salz- bezw. Kalisalzbergwerks in der Enclave Allstedt, sowie die Ausbeutung derjenigen Bergwerksberechtigungen, welche sie später noch erwerben sollte; ferner Herstellung und Betrieb aller Anlagen und Unternehmungen, welche die Ausnutzung jener Bergwerke und Berechtigungen und die Verwertung der Produkte derselben in roher oder verarbeiteter Form befördern.

 

Schachtbau: Das Abteufen des Schachtes hat am 25. April 1905 begonnen. Am 21. Februar 1906 war bei einer Teufe von 285 m der Anhydrit erreicht. Im Juni 1906 wurde in einer Teufe von 339,40 m das Canallitlager in guter Beschaffenheit angefahren. Das Profil ist folgendes:

339,40 bis 318,20 m Carnallit mit 21 bis 22 % KCl.,

348,20 bis 352,80 m Steinsalz,

352,80 bis 387,80 m Carnallit mit 13,9 % KCL,

387,80 bis 395,00 m Steinsalz mit canallitischen Einlagerungen.

395,00 bis 420,00 m Steinsalz.

Der Schacht steht bis 35,50 m in Mauerung, von da ab bis 241,41 m in eiserner Cuvelage und von hier bis zur Schachtsohle wieder in Mauerung. Bei 350 m wurde das Füllort der Wettersohle und bei 408 m im älteren Steinsalzlager das Füllort der Hauptfördersohle angesetzt. Auf der Wettersohle wurde am Ausgehenden des Carnallitlagers ein etwa 100 m breites abbauwürdiges Hartsalzvorkommen von 2,5-3 m Mächtigkeit mit 12-15% reinem Kali aufgeschlossen. Bis zum März 1909 waren in diesem Lager streichend aufgefahren ohne dass eine Veränderung sich gezeigt hatte. Das Carnallitlager wurde allenthalben in grosser Mächtigkeit und guter Beschaffenheit angetroffen. Mit einer in Gemeinschaft mit der Gewerkschaft Rossleben an der 2 km entfernten Feldesgrenze niedergebrachten Tiefbohrung wurde das gleichmässige und ruhige Fortsetzen des Kalilagers festgestellt. Auf der 408 m-Sohle wurden Abbaue von 18 - 34 m Mächtigkeit in horizontaler Ausdehnung von 60 bis 100 m nachgewiesen.

 

Gerechtsame: 11 103 Hektar = ca. 22 preußische Normalfelder in der Enclave Allstedt des Freistaats Sachsen-Weimar sowie die Grundstücke130-133, 148a, und 149b des Grundsteuerkatasters von Heygendorf und 154-156 des Grundstückskatasters von Schaafsdorf. Verliehen sind der Gewerkscliaft infolge eingelegter Muthung vom Oberbergamt Halle drei preussische Grubenfelder mit zusammen 6 566 995 Quadratmeter unter dem Namen „Thüringen IV-VI " in den Gemarkungen Saubach, Bibra, Steinbach, Kalbitz, Wallroda und Pleismar im Kreis Eckardsberga des Reg Bez. Merseburg zur Gewinnung von Steinsalz und beibrechenden Salzen. Diese Grubenfelder liegen südwestlich der Eisenbahnstation Laucha (Linie Naumburg - Artern) und grenzen im Norden an die Gewerkschaften Rossleben und Lossa, stehen also mit der Weimarischen Gerechtsame in keinem unmittelbaren Zusammenhang.

 

Zweiter Schacht: Die ausserordentliche Gewerkenversammlung vom 16.6.1912 beschloss die Errichtung einer neuen Salzwerksanlage im Grubenfeld der Gewerkschaft. Der Bau des neuen Kalischachtes wurde der Rhein.-Westfälischen Schachtbaugesellschaft übertragen. Am 13. 1. 1913 wurde mit dem Abteufen begonnen. Im Herbst 1913 hatte der Schacht eine Teufe von 192 m. Hiervon standen in Mauerung 32,70 m, in Eisen 157,7 m. Der Abteufbetrieb ruhte auch im Jahre 1918, 1919 und 1920. Die Stillegung des Werks ist ab 1. Oktober 1921 genehmigt und durchgeführt.

 

Tagesanlagen: Eine Chlorkalium-, Sulfat- u. Bromfabrik sind auf dem Heygendorfer Terrain der Gewerkschaft im Herbst 1907 fertiggestellt. Die Endlaugen werden nach erfolgter Klärung unterhalb Heygondorf in die Helme geführt. Die Konzession ist durch Beschluß des Bezirksausschusses zu Apolda am 30 . Dezember 1905 zur täglichen Verarbeitung von 5000 dz Rohsalz erteilt. Die Einsprüche gegen die Konzession, welche von verschiedenen Seiten erhoben wurden, sind seitens des Staatsministeriums zurückgewiesen. Sonstige Tagesanlagen: Mahlwerksgebäude mit einem Kainit- und einem Carnallit-Mahlsystem, das Fördermaschinengbäude mit der definitiven Fördermaschine, Werkstätten- und Magazingebäude, das Kesselhaus nebst 12 Cornwallkesseln, die elektrische Kraftzentrale mit drei Maschinen von 150, 300 und 500 PS und das 9 Kilometer lange normalspurige Eisenbahnanschlussgleis nach Niederröblingen, eine Wasserversorgungsanlage. Zur Anlage einer Arbeiterkolonie ist in unmittelbarer Nähe von Heygendorf ein größeres Terrain erworben und sind im Oktober 1920 17 Beamten- und Arbeiterhäuser fertiggestellt. Auf dem Schachtplatz sind das Verwaltungsgebäude und 3 Beamtenwohnhäuser errichtet.

 

Chlorkaliumfabrik: Die Gewerkschaft beabsichtigt derzeitig in ihrer im Jahre 1906 konzessionierten Cblorkaliumfabrik werktäglich 10 000 dz Rohsalz anstatt wie bisher 6000 dz zu verabeiten und durch die Einleitung der dabei enstandenen Endlaugen das Wasser der großen Helme anstatt wie bisher von 45 nunmehr auf 75 deutsche Härtegrade zu verhärten. (Quelle:7*)

Asse II
Steinsalzkristalle auf Grubenbahnschwelle
Schachtausmauerung (Modell Deutsches Bergbaumuseum Bochum)
Fördergerüst Esserschacht
Kalisalz Soligorsk
Alte Lohntüte
Schachtröhre mit Tübbingausbau (Modell Deutsches Bergbaumuseum Bochum)
Fördergerüst Schacht Theodore (Elsaß)
Gewerkschaft Beienrode
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© Lars Baumgarten