Die Kali- und Steinsalzschächte Deutschlands
Die Kali- und Steinsalzschächte             Deutschlands

 

4.13 Ronnenberg

4.13.1 Schacht "Ronnenberg" (Albert)

 

30952 Ronnenberg

Steigerstraße 1

 

RW   35 44 321

HW   57 98 302

 

52°18´58,86´´N

09°38´55,76´´O

 

Historische Fotos:

 

4.13.2 Schacht "Deutschland" (Justenberg)

 

30952 Ronnenberg

Bröhnstraße 47

 

RW   35 42 863,5

HW   57 96 803,5

 

52°18´10,79´´N

09°37´38,12´´O

 

Alkaliwerke Ronnenberg  Actiengesellschaft in Hannover

 

Gründung: Am 22. September 1807 aus der im Jahre 1896 begründeten Kalibohrgesellschaft Ronnenberg hervorgegangen Gesellschaft, handelsger. Eintrag. 14.10.1897.

 

Gegenstand des Unternehmens: Bergbau auf Salze, insbesondere auf Kalisalze und sonstige Mineralien; Vornahme von Bohrungen auf Salze, insbesondere auf Kalisalze und sonstige Mineralien für eigene oder fremde Rechnung und der Verwertung der Funde durch eigenen Abbau oder durch Veräusserung; Betrieb von chemischen Fabriken zum Zwecke der Verarbeitung der durch eigenen oder fremden Bergbau gewonnenen Salze; Beteiligung an anderen industriellen Unternehmungen.

Gerechtsame: Die Gesellschaft hat auf 80 Jahre das Recht erworben, in der Feldmark Ronnenberg die sich vorfindenden Stein- und Kalisalze zu gewinnen. Im Jahre 1898 wurde noch das Kaligewinnungsrecht auf dem 536 Morgen grossen Gute Erichshof erworben. Ronnenberg und Erichshof zusammen umfassen 844 ha. Ferner sind erworben das Terrain der Bohrgesellschaft Mathildenhall bei Gronau (863 ha), Schierenberg bei Nordstemmen (629 ha), Kniestedt bei Salzgitter (418 ha). Die Ronnenberger Terrains liegen 8 km von Hannover, werden von der Eisenbahnlinie Hannover-Hameln durchschnitten und markscheiden mit den Gewerkschaften Hansa-Silberberg und Deutschland und mit den Kaliwerken Benthe. Die Gerechtsame Mathildenhall ist abgetrennt und mit den zu Hildesia gehörenden Feldern der Forstgenossenschaften zu einem besonderen Unternehmen vereinigt worden.

 

Betrifft Werk II und III : Am 31. Juli 1917 ist durch Kaufvertrag das gesamte Bergwerksunternehemn der Bergwerksgesellschaft Aller - Nordstern m.b.H mit allem Zubehör auf die Gesellschaft übergegangen. Die Gerechtsame des Werkes umfaßt eine Größe von 21 760 000 Quadratmeter und ist als Salzabbaugerechtigkeit in den Grundbüchern der Gemeinden Groß-Häuslingen, Altenwahlingen, Kirchwahlingcn und Rethem eingetragen. Der Förderschacht mit den dazugehörigen Werksanlagen, sowie die Chlorkalium- und eine Kalksandsteinfabrik liegen in der Gemarkung Groß-Häuslingen an der gleichnamigen Station der vollspurigen Kleinbahn Verden-Walsrode. Die Grundlage des Unternehmens bildet ein auf 3 Sohlen bei 350, 450 und 550 m aufgeschlossenes Carnallitlager. Seit Angliederung an den Ronnenberg-Konzern führt das Werk die Bezeichnung Ronnenberg II Schacht Groß-Häuslingen. Ferner wurde in Verbindung mit einer Kapitalerhöhung von 4 Millionen Mark im Juni 1918 die Thiederhall A.-G. zu Thiede käuflich erworben. Den Aktionären der Thiederhall A.-G. wurden 4 Millionen Mark Ronnenberg-Aktien mit halber Dividendenberechtigung für das Geschäftsjahr 1918 überlassen.

 

Tagesanlagen: Eine fertiggestellte Schachthalle mit Förderturm, Förder-maschinenhaus, Salzmühle, Kesselhaus, elektr. Zentrale, Lagergebäude, Werkstätten, ein Ventilatorgebäude, Wasserturm, Verladehalle, Beamtenwohnhäuser und Arbeiterwohnhäuser, Verwaltungsgebäude, Zechenhaus mit Wasch- und Badeeinrichtungen.

 

Zweischachtfrage: Die Zweischachtfrage ist gelöst durch eine Verbindunung mit dem Schacht der Gewerkschaft ,,Deutschland". (Quelle: 7*)

 

Gewerkschaft Deutschland (Justenberg)

 

Betriebsstilllegung gemäß § 83a:

Die Kaliprüfungsstelle erteilte der Gewerkschaft auf ihren freiwilligen Stilllegungs-antrag im Jahre 1925 eine Beteiligungsziffer von 95 % der durchschnittlichen Beteiligung aller Kaliwerke.

 

Gründungsjahr: 1898 als Bohrgesellschaft Franzburg-Gehrden, 1899 als Gewerkschaft, Statut vom 20. Juni 1896.

 

Schachtbau: Die am 5. November 1904 stattgehabte Gewerkenversammlung beschloss, mit dem Abteufen eines Förderschachtes zu beginnen und die dazu erforderlichen Grundstücke anzukaufen. Es sind in der Folge 67149 qm zum Preise von 102 479 M. erworben. Am 29. Dezember 1904 erfolgte der erste Spatenstich in Weetzen. Eine am 11. Februar 1905 in Hannover stattgehabte Gewerken-versammlung ermächtigte den Repräsentanten, der Firma Haniel & Lueg in Düsseldorf die Abteufarbeiten unter Zugrundelegung eines vorher bereits eingereichten Angebots zu übertragen. Am 31. März 1905 wurde mit den Abteufarbeiten begonnen. Das durchteufte Deckgebirge bestand hauptsächlich aus rötlichem Ton mit Gipseinsprengungen. Mitte Januar 1906 wurde bei 218 Meter Teufe das Steinsalzlager erreicht. Am 20. Dezember 1906 wurden die Schachtarbeiten beendet, welche einen Zeitraum von 21 Monaten erforderten. Die Gesamtteufe des Schachtes beträgt 610 m in einer Lichtweite von 5,4 m. Die ersten 28,5 m sind mit Tübbings ausgebaut, 581,5 m stehen in Mauerung. Von 350 m abwärts sind in Entfernungen von je 50 m Füllörter angesetzt. Die von hier aus, von der 350 m Sohle ab vorgenommenen horiziontalen Bohrungen erreichten 60 bis 70 m vom Schacht das in der Bohrung Justenberg I noch bei 720 bis 725 m angetroffene Hartsalzlager mit einem Einfallen von etwa 80 Grad. Die Mächtigkeit des Lagers schwankt auf den verschiedenen Sohlen zwischen 6 und 20 m, der Gehalt an KCl zwischen 20 und 33 %. Von diesem Hauptlager wurde ferner auf allen Sohlen ein etwa 2 m mächtiges Sylvinitlager analog dem benachbarten Ronnenberger Vorkommen aufgeschlossen. Von den 400, 500 und 600 m-Sohlen aus konnte noch ein zweites ebenfalls 2 m mächtiges Sylvinitlager mit einem Gehalt bis 52,9 % KCl. festgestellt werden. Ende September 1908 wurde auf der 450 m-Sohle ein Sylvinvorkommen mit 60 bis 70 % KCl angefahren. Dieses ist im Anhydrit mit wechselnder Mächtigkeit bis zu 3 m abgelagert und führt fast reinen Sylvin. Auch an verschiedenen anderen Stellen wurden durch Bohrungen weiterhin wertvolle Salzablagerungen nachgewiesen. Von der 450 m-Sohle ist ein Gesenk bis zur 600 m-Sohle hergestellt. Unterhalb der 600 m ist ein Zwillingsgesenk bis 900 m Teufe abgeteuft. In 650 m Teufe ist mittels eines Querschlages auch das auf den oberen Sohlen bereits im Abbau befindliche Hartsalzlager angefahren. Auf der 700 m-Sohle wird das Liegende durch eine Horizontalbohrung untersucht. Bei der Vereinigung mit der Gewerkschaft Justenberg wurde beschlossen, noch eine Kontrollbohrung niederzubringen, für welche infolge der günstigen Lage zum Bahnhof Weetzen - die Entfernung beträgt etwa 750 m - ein Punkt dicht bei der Bohrung Justenberg ausersehen wurde. Diese Kontrollbohrung hatte den Zweck, den Schachtpunkt festzustellen und möglichst genaue Aufschlüsse über die Wasserverhältnisse zu schaffen.

 

Zweiter Schacht: Im Jahre 1911 wurde der Querschlag für die infolge gesetzlicher Vorschriften mit den Alkaliwerken Ronnenberg geplante Schachtverbindung fertiggestellt. Die bergamtliche Genehmigung zu dieser Lösung der Zwei- schachtfrage für Deutschland und Ronnenberg wurde erteilt. Der Durchschlag der Strecke erfolgte am 15. September 1911. Die Kosten für den Querschlagbau trägt jedes Werk zu seinem Teil, auf Deutschland entfielen 450 m der 2000 m langen Strecke.

 

Tagesanlagen: Fördermaschinenhaus mit Fördermaschine, Schachtgebäude mit Fördergerüst und Hängebank, Mühlengebäude mit 3 Mahlsystemen von 60 000 kg stündlicher Leistungsfähigkeit nebst Steinsalzaufbereitung, Maschinenhaus mit Abteufmaschine, die als Reservefördermaschine dient, Kessel- und Pumpenhaus mit 6 Dampfkesseln und den erforderlichen Pumpen, Laboratorium, Lokomotivschuppen, Wasserturm, Elektrische Zentrale, Gruben-Ventilator-Anlage, einetwa 1800 Doppelwagen fassender Rohsalzschuppen, Anschlussbahn an den Bahnhof Weetzen. An Gebäuden sind ferner vorhanden, 1 Verwaltungsgebäude, 1 Direktor-Wohnhaus, 1 Beamten-Wohnhaus mit Kasino und Kantine, 1 Pferdestall mit Kutscherwohnung und außerdem 15 Beamten- bezw. Arbeiter-Wohnhäuser mit 60 Wohnungen. Der Grund und Boden umfasst 88 634 qm gleich etwa rund 34 hann. Morgen. Im Jahre 1910 wurde eine Steinsalzmühle gebaut, deren Kosten sich auf 80 000 M stellten. Seit dem Jahre 1918 beschränkte sich die Lieferung der Gesellschaft auf Steinsalze. Die Chlorkalium-Fabrik ist nach Anschluss an den Ronnenberg-Konzern stillgelegt. (Quelle: 10*)

Asse II
Steinsalzkristalle auf Grubenbahnschwelle
Schachtausmauerung (Modell Deutsches Bergbaumuseum Bochum)
Fördergerüst Esserschacht
Kalisalz Soligorsk
Alte Lohntüte
Schachtröhre mit Tübbingausbau (Modell Deutsches Bergbaumuseum Bochum)
Fördergerüst Schacht Theodore (Elsaß)
Gewerkschaft Beienrode
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© Lars Baumgarten