Die Kali- und Steinsalzschächte Deutschlands
Die Kali- und Steinsalzschächte             Deutschlands

4.16 Siegfried-Vogelbeck

 

 

 

 

4.16.1 Schacht "Siegfried I" (Vogelbeck I, Heinrich)

 

37574

Einbeck

OT Vogelbeck

Am Zementwerk

 

RW 35 64 955

HW 57 39 390

 

51°47´05,69´´N

09°56´24,71´´O

 

Teufarbeiten von 16.12.1899 - Januar /1907. Teufe 927 m.

Durchschlag zwischen den Gruben Siegfried I und II am 27.12.1912.

1927 Stilllegung der Anlage.

1927 Nordzement übernimmt die Übertageanlagen.

Das eingerichtete Zementwerk wird 1975 stillgelegt.

Betonpfropfen im Schacht, Grubengebäude ist lufterfüllt.

Historische Aufnahmen:

Geschäftliche und industrielle Nachrichten von 1908
Gewerkschaft Siegfried I.doc
Microsoft Word-Dokument [604.5 KB]
Wilhelm Kain begann seinen Einstieg in die Kaliindustrie indem er das Abteufen des Schachtes "Siegfried I" anleitete.
Genaraldirektor Kain.doc
Microsoft Word-Dokument [3.8 MB]

 

 

 

 

4.16.2 Schacht "Siegfried II" (Vogelbeck II, Gotthilf)

 

37574

Einbeck

OT Vogelbeck

Rosenplänter 5

 

RW 35 64 441

HW 57 40 499

 

51°47´41,79´´N

09°55´58,68´´O

 

Schacht Siegfried II.

Teufarbeiten 07/1911-1913.

Teufe 957 m

1927 Stilllegung der Anlage.

Schachtröhre verfüllt.

Aus der Geschichte:

 

Gewerkschaft Siegfried I in Vogelbeck bei Salzderhelden

 

Gründung: Am 13. März 1896 als Kalibohrgesellschaft Concordia in Goslar, seit dem 23. Januar 1897 als Gewerkschaft, eingetragen im Handelsregister von Northeim (Hann.) im September 1908.

 

Bohrergebnisse: Tiefbohrung I, nördlich von Vogelbeck, zwischen diesem und dem Krieberg, erbohrte bei 730,5 m Teufe mit durchschnittlichem Einfallen von 10 Grad ein Kalilager von 50 m Mächtigkeit, welches an der Bohrlochstelle von Steinsalz-mitteln von zusammen 23 m durchsetzt war. Eine bei 600 m im Streichen ausge-führte Kontrollbohrung erreichte bei 702,65 m das Kalilager, welches bei der ebenfalls flachen Lagerung eine wirkliche Mächtigkeit von 40 m zeigte. Die erste Bohrung ergab Hartsalz mit 21 % KCl im Durchschnitt und Carnallit mit 15 bis 16 % KCl. Hiermit übereinstimmend ergab die letztere Bohrung Hartsalz von 16,34 % (stellenweise Kainit mit 43 %), und Carnallit von durchschnittlich 17,6 %KCl. Auch Tiefbohrung II, 700 m südlich von Volksen am Nordfuße des Hungerberges, welche bei 1000,8 m, und Tiefbohrung III auf dem linken Ufer der Leine bei Volksen, welche bei 716,5 m das Kali erreichten, durchsanken übereinstimmend den völlig compact und ungestört abgelagerten Buntsandstein in seiner mittleren und unteren Abteilung, und erbohrten darauf das sogenannte bunte Steinsalz in einer durchschnittlichen Mächtigkeit von 150 m mit mehr oder weniger mächtigen Einlagerungen von Anhydrit und Salzton. Hierunter wurde überall ein Anhydritlager mit unterlagerten Salzton erschlossen, unter dem sich ein einziges flach abgelagertes Kalilager in guter Beschaffenheit, (im Hangenden Hartsalz, im Liegenden Carnallit) befand, welches bei auffallender Übereinstimmung der Ablagerung völlig den von den älteren Staßfurter Kaliwerken aufgeschlossenen Lagern entsprach. Es wurden dann noch ausgeführt eine Tiefbohrung im Terrain der Gewerkschaft Gustav Adolf nordöstlich von Sülbeck am Einfluss des Salzgrabens in die Leine, welche bei 321,2 m eine dünne Kainitschicht erbohrte, eine fünfte Bohrung 50 m von IV entfernt, welche bei 326,50 und 329,30 m Kalistreifen antraf und als VI. Bohrung die Eingangs erwähnte Controllbohrung zu Bohrung I.

 

Schachtbau: Der Schacht I ist 1500 m südöstlich von der Station Salzderhelden in der Gemarkung Vogelbeck, 1171 m vom Bohrloch I entfernt angesetzt und erfolgte der erste Spatenstich am 16. Decembor 1899. Das zu diesem Zwecke erworbene Grundstück umfasst 60 Morgen, Bei 31 m wurde der mittlere Buntsandstein angefahren und völlig compact ohne Klüfte vorgefunden. Im Mai 1900 war der Schacht bis 34,20 m in der Ausmauerung fertig, doch musste der Betrieb vorüber-gehend wegen Mangel an Baumitteln eingestellt werden. Die Abteufarbeiten sind erst am 1. August 1904 wieder aufgenommen und ist am 18. September 1906 in einer Teufe von 772 m das zunächst noch mit Ton verunreinigte Steinsalzlager erreicht worden. Die Wasser wurden durch die bis 216 Meter Teufe eingebauten Tübbings abgeschlossen. Das durchteufte Gebirge bestand bis 110 m aus flachge-lagerten zum Teil sehr klüftigen Buntsandstein, .von da ab aus Kompakterem, geschlossenem, mittlerem Buntsandstein, dem dann der untere Buntsandstein, sowie rote Letten mit dünnen Sandsteinbänken, Kalksandstein und Dolomitbänken folgte. Es wurden dann durchteuft von:

 

772    bis 795 m     rotes Steinsalz durch Thon und Anhydrit verunreinigt,

795    bis 822 m     klares hellrotes Steinsalz,

822    bis 831,5 m   hellrotes Steinsalz mit Kieseritschnüren

831,5 bis 846,5 m   blauer und roter Salzton,

846,5 bis 920 m      rotes Steinsalz mit Anhydritschüren,

920    bis 927 m     Anhydrit.

Hier wurden im Januar 1907 die Abteufarbeiten beendet. Bei 860 m ist die Wetter- und bei 910 m die Fördersohle angesetzt.

 

Gerechtsame: Ca. 2200 ha in den Gemarkungen Vogelbeck u. Hohnstedt, Kreis Northeim, Salzderhelden, Volksen und Negenborn Kreis Einbeck, benachbart mit den Feldern der Gewerkschaft Hohenzollern und Carlsfund.

 

Grubenbetrieb:Auf der 910 m-Sohle ist das Carnallitlager auf eine Länge von 2228 m im Streichen aufgefahren. Das Hartsalzlager ist in einer Abbauhöhe von bisher 550 m nachgewiesen. Die Förderung in den Hauptstrecken erfolgt durch 3 Benzin-lokomotiven von je 12 PS.

 

Tagesanlagen: Mit dem Bau der chemischen Fabrik, welche mit ihrer Apparatur bis zu 6000 dz Rohsalz, u. zw. sowohl Carnallit als auch Hartsalz und ein Gemisch beider, täglich zu verarbeiten imstande ist, wurde im Juli 1907 begonnen. Ende Juli 1908 wurde der Fabrikbetrieb aufgenommen. Die Konzession zur Ableitung der Endlaugen in die Leine wurde erteilt. Zwei Endlaugensammelbassins von je 1000 Kubikmeter Fassungsraum sind aufgestellt. Mit dem Bau von 2 weiteren Endlaugen-behältern von insgesamt 10 500 cbm Fassungsraum wurde im Juli 1919 begonnen und werden dieselben bis November 1920 fertig gestellt sein. Der Eisenbahnan-schluß an Station Salzderhelden wurde bereits im November 1907 dem Betriebe übergeben. Gebäude:Elektrische Zentrale mit Ventilatorraum, Zentralkesselhaus mit Bunkeranlage, Fördermaschinengebäude mit angebautem Dampfkabelraum, Schachtgebäude mit Fördergerüst, daran anschließend Mühlengebäude mit Verladestation, Mühlenmaschinenraum, Sackraum, Trockenofengebäude, Werkstät-tengebäude mit Magazin, Kauengebäude mit vorgebauten Betriebsbüros, Verwaltungsgebäude, Kantine, Lokomotivschuppen, einen 2000 qm umfassenden Salzschuppen und einen 60 m hohen Kamin. Zur Fabrik gehören; Chlorkalium-fabrikgebäude, Laboratorium und Fabrikbüro, Fabrikkräne und ein 55 m hoher Schornstein. Maschinen: Fördermaschine, div. Zentraldampfmaschinen mit Generatoren und Dynamos, sowie 2 Turbogeneratoren mit einer Gesamtleistung von 4410 PS, Kesselhaus mit 16 Kesseln von insgesamt 1936 qm Heizfläche, mit Dampfüberhitzern, Wasservorwärmern und automatische Beschickung und mechanische Kohlentransportanlage, Wasserpumpenanlage, 2 Rangierlokomotiven, masch. Mühleneinrichtung, bestehend aus zwei kompl. Mahlsystemen mit mechan. Verladung und Transportanlage zum Salzschuppen, Cummertrockenanlage; Chlorkaliumfabrik mit kontinuierlicher Verarbeitung nebst Endlaugenkalkstation und Endlaugenmischstation für die Ableitung der Endlauge.

 

Zweiter Schacht: Dieser ist 1200 m nordwestlich von Schacht I niedergebracht. Mit dem Abteufen desselben ist am 7. Juli 1911 begonnen, die Endteufe beträgt 955 m. Der Schacht ist am 27. Dezember 1913 mit der alten Schachtanlage, durchschlägig geworden. Er steht bis 158,5 m Teufe in deutschen Tübbings, von dort bis zur Endteufe in Mauerwerk. Sämtliche Tagesanlagen sind vollendet. Zur Beförderung der gewonnenen Salze führt eine Drahtseilbahn van Schacht II nach Schacht I, woselbst die Salze vermahlen und verarbeitet werden.

 

Produkte: Kainit, Carnallit, Chlorkalium, Salze zu 20. 30, 40 %, Blockkieserit und Reinkali. (Quelle: 7*)

Asse II
Steinsalzkristalle auf Grubenbahnschwelle
Schachtausmauerung (Modell Deutsches Bergbaumuseum Bochum)
Fördergerüst Esserschacht
Kalisalz Soligorsk
Alte Lohntüte
Schachtröhre mit Tübbingausbau (Modell Deutsches Bergbaumuseum Bochum)
Fördergerüst Schacht Theodore (Elsaß)
Gewerkschaft Beienrode
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© Lars Baumgarten