Die Kali- und Steinsalzschächte Deutschlands
Die Kali- und Steinsalzschächte             Deutschlands

 

7.6 Bismarckshall

 

 

7.6.1 Schacht "Samswegen" (Bismarckshall I)

 

39326

Niedere Börde

OT Samswegen

Karl-Marx-Platz 6

 

RW 44 70 694

HW 57 91 538

 

52°15´23,74´´N

11°34´09,35´´O

Historische Fotos:

Alte Kaliwerke Samswegen und Zielitz
Mit freundlicher Genehmigung des Verfassers Herrn Herbert Riebau aus Zielitz
Samswegen und Zielitz.pdf
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Actiengesellschaft Bismarckshall

 

Gründung: Als Kalibohrgesellschaft Bismarckshall am 1. März 1898. Dieselbe wurde am 25. März 1905 in die jetzige Actiengesellschaft umgewandelt. Gründer waren 1.) Herr Geheimer Bergrath Dr. jur. Victor Weidtman, Bankdirector zu Elberfeld, 2.) der Kaufmann Herr Wilhelm Laupenmühlen zu Berlin, Inhaber der Firma Laupenmühlen & Co. zu Berlin, 3.) Herr Oskar Schlitter, Bankdirector zu Essen-Ruhr, 4.) Herr Gustav Stähr, Kaufmann zu Hamburg, 5.) Herr Paul von Rath, Fabrikbesitzer zu Köln. Die selben haben sämmtliche Actien übernommen. Die Eintragung als Actiengesellschaft in das Handelsregister von Wolmirstedt erfolgte am 11. August 1906.

Gegenstand des Unternehmens: 1. Bergbaubetrieb, Verarbeitung der gewonnenen oder sonst erworbenen Erzeugnisse in eigenen oder fremden Fabriken; 2. gewebsmäßige Verwertung von Bergwerks- oder Fabrikerzeugnissen; .3. Beteiligung bei anderen Unternehmungen; 4. Erwerb und Verwertung von Grundstücken, Bergbaugerechtsamenund Bergwekseigentum; 5. die Ausführung von Bohrungeu für eigene Rechnung.

 

Gerechtsame: Übernommen wurden seitens der Aktiengesellschaft von der früheren Kali - Bohrgesellschaft Bismarckshall 6 preussische Maximalfelder auf Steinsalz und beibrechende Salze und auf Soole in der Umgebung von Magdeburg, neben Wolmirstedt und den Bahnen Magdeburg-Stendal und Magdeburg-Oebisfelde, im Bergfreien ohne Nachbarunternehmungen. Durch Fündigwerden weiterer 6 Bohrungen hat die Gesellschaft noch 6 Maximalfelder von je 2 189 000 qm erworben. Die Gesamtgerechtsame, aus 12Salzfeldern und 1 Soolefeld bestehend, liegt in den Gemarkungen Wolmirstedt, Jersleben, Samswegen, Gross-Ammersleben, Merseburg, Vahldorf, Hillersleben, Wedringen, Paxförde, Neuenhofe und Neuhaldensleben und beträgt insgesammt 28 453 809 qm.

Nachdem auf diesem Felderkomplex, und zwar in der Nähe von Samswegen bereits mit dem Bau eines Schachtes und den sonstigen Anlagen begonnen, und der Schacht selbst bis zu einer Teufe von 204 m niedergebracht war, wurde der Betrieb hierselbst im August 1908 vorläufig sistiert mit Rücksicht auf die Kosten, die auf diesem Terrain bei dem Fehlen eines Nachbarwerkes der durch das Berggesetz bedingte Bau eineszweiten Schachtes erfordern würde.

Eine am 1. September 1908 stattgehabte außerordentliche General-versammlung beschloß denErwerb eines Terrains, welches zu dem Felderkomplex der Aktiengesellscliaft Neu-Bleicherode gehörte, die ihrerseits wieder auf Arrondierung ihres Besitzes einen gleich großen Feldesteil von der angrenzenden Bergwerksgssellschaft Westohm m. b. H erhielt, deren Anteile sich größtenteils im Eigentum der Aktiengesellschaft Deutsche Kaliwerke zu Bernterode befanden. Als Kaufpreis wurde eine auf den erworbenen Felderteil an erster Stelle einzutragende Obligationenschuld von 2 000 000 M. gewährt. Von derselben erhielt Neu-Bleicherode 450 000 M., Westohm resp. die Deutschen Kaliwerke 1500 000 Mark. Gleichzeitig übernahm Bismarckshall die Verpflichtung, zwischen den Dörfern Bischofferode und Holungen, 2,5 Kilometer von dem Neu-Bleicheroder Schacht entfernt, auf Bischofferoder Gebiet, südlich der Chaussee, einen Schacht niederzubringen und zur Lösung der Zweischachtfrage für die beiden beteiligten Werke eine unterirdische Verbindungsstrecke in der Richtung nach dem Neu-Bleicherroder Schacht bis zur eigenen Feldesgrenze herzustellen, zum Anschluß an eine vom Neu-Bleicheroder Schacht aus ebenfalls herzustellende Verbindungsstrecke. Zur Ausführung dieses Planes wurde die „Gewerkschaft Weidtmannshall mit 100Kuxen begründet, von denen die Aktiengesellschaft Bismarckshall 99 Kuxe besaß. Anfangs Dezember 1917 traten die Gewerkschaften „Weidtmannshall" und „Holungen" in Liquidation und überließen der Bismarckshall A.-G. das gesamte Vermögen gegen Uebernahme ihrer Verbindlichkeiten. Von da an führt die Bismarckshall A.-G. die Betriebe in der gemeinsamen Bezeichnung: Aktiengesellschaft Bismarckshall, Werksanlagen Bischofferode

(Kreis Worbis).

Schachtbau: Die Vorbohrungen ergaben bis 40,70 m Ablagerungen von Diluvial- und Tertiärschichten. Der Schacht ist als eiserner Tübbingsschacht vo 6400 mm lichter Weiter im toten Wasser lotrecht durch die Diluvial- und Tertiärschichten gesenkt und nach mehreren störenden Zwischenfällen -Durchbrüchen - vermittel einer nur wenige Meter betragenden Schachtvorbohrung unter gleichzeitiger Verwendung einer hydraulischen Preßeinrichtung ca. 5 m in das aus bunten Letten anstehende feste Gebirge gepreßt. Durch Einführen von Zement hinter den Senkzylinder wurde der völlige Abschluß des geringen Wasserzuflusses erreicht. Der Bau des Schachtes wurde im August 1908 bei 203,75 m Teufe vorläufig sistiert.

Nachdem im Mai 1910 ein provisorischer Abteufturm, welcher zur Sümpfung des Schachtes und zur Niederbrngung einer Vorbohrung auf der Schachtsohle dienen sollte, aufgestellt war, wurden die Sümpfarbeiten am 11. Juni 1910 zu Ende geführt. Die Schachtvorbohrung wurde im Juli begonnen und bei einer Teufe von 100 m unterhalb der Schachtsohle nach Durchbohrung von Schichten der Buntsandsteinformation eingestellt. Ende Oktober 1910 wurden die eigentlichen Abteufarbeiten wieder aufgenommen. Ende 1910 stand der Schacht bei 260 m im Buntsandstein, Ende Mai 1911 nach Durchteufung des jüngeren Steinsalzes bei 475 m im Salzton. Im Juni wurde wieder das Steinsalzlager angefahren. Die Endteufe des Schachtes beträgt 750 m. Füllörter wurden bei 545, 635 und 725 m angesetzt. Das Karnallitlager ist in einer Mächtigkeit von 8 m in guter Qualität angefahren.

Bismarckshall verfügt über 3 mit Quoten ausgestattele Schächte: Samswegen, Weidtmannshall, und Holungen.

 

Chlorkaliumfabrik: Die bei den Schachtanlagen II/III erbaute Chlorkaliumfabrik für 15 000 dz tägliche Verarbeitung ist im Jahre 1920 in Betneb genommen. Aus den zur Verarbeitung gelangenden Hartsalzen wird vorwiegend 98er Chlorkalium hergestellt.

Endlaugenkoncession: Für 10 000 dz Carnallit mit Ableitung in die Elbe.

 

Eisenbahnanschluss: Eine 4 km lange Gmbenanschlussbahn nach Station Gross-Ammenslcben ist gebaut.

 

Tagesbauten: Für den Betrieb über Tage sind fertiggestellt ein Bürogebäude, ein Werkstättengebäude, bestehend aus Tischerei mit Holzmagazin, Schmiede, Schlosserei und Schreinerei, ein Magazingebäude, zwei Fördermaschinengebäude, ein Dampf-kabelgebäude, das Zechenhaus mit Mannschaftskaue, der Schachtturm, ein Sprengstoffmagazin, zwei Fördermaschinen und Förder-haspelgebäude, ein definitives eisernes Fördergerüst, das Ventilatorgebäude, das definitive Kesselhaus und elektr. Zentrale. Im Jahre 1910 wurde ein Lokomotivschuppen errichtet und zwecks Versorgung der Schachtanlage mit elektrischer Energie ein Anschluss an das Leitungsnetz der Ueberlandzentrale Börde nebst der zugehörigen Schaltanlage fertiggestellt. Die Konzession zur täglichen Verarbeitung von 10 000 dz und Ableitung der hierbei anfallenden Endlaugen in die Elbe ist erteilt. Das Fabrikgebäude steht fertig da. 9 Beamten- und 3 Arbeiterwohnhäuser sind vorhanden.

In der Generalversammlung vom 8.11.1921 wurde die Stillegung der Werksanlagen zu Samswegen beschlossen.

Asse II
Steinsalzkristalle auf Grubenbahnschwelle
Schachtausmauerung (Modell Deutsches Bergbaumuseum Bochum)
Fördergerüst Esserschacht
Kalisalz Soligorsk
Alte Lohntüte
Schachtröhre mit Tübbingausbau (Modell Deutsches Bergbaumuseum Bochum)
Fördergerüst Schacht Theodore (Elsaß)
Gewerkschaft Beienrode
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